Volle Rucksack-Besatzung: Drei Streifentenreks im Wanderfieber

Wenn am Sonntagmorgen die Wanderschuhe neben der Haustür stehen, das leise Rascheln von Proviantbeuteln durch den Flur weht und Papa mit prüfendem Blick die Tragegurte des großen Wanderrucksacks justiert, weiß ich sofort Bescheid: Ein neues Abenteuer ruft! Doch an diesem herrlichen Spätsommersonntag, dem 6. September 2026, handelte es sich nicht um einen alltäglichen Spaziergang. Heute traten wir im erweiterten Familienaufgebot an.

Klein Viki, mini Christopher und Baby Viki im Rucksack mit Blick auf die Hiltenburg

Während unser lieber Pinguin-Kuschelfreund Jorgen nach einem kurzen Blick auf die spätsommerlichen Temperaturen beschloss, lieber daheim das Hauptquartier zu bewachen und sich in aller Seelenruhe ein gigantisches Fischsandwich in der Küche zu schmieren, machten wir es uns zu dritt im Rucksack gemütlich: mein kecker Tenrek-Bruder mini Christopher, unsere allerliebste kleine Baby Viki und natürlich ich, Klein Viki, in meiner altbewährten Rolle als Chef-Navigatorin und Begeisterungsbeauftragte. Für alle, die uns noch nicht kennen: Wir sind keine gewöhnlichen Kuscheltiere, sondern waschechte Streifentenreks mit schwarz-gelben Streifen, wachen Knopfaugen und feinen Schnurrhaaren. Wer mehr über unsere stachelige Verwandtschaft aus den fernen Wäldern Madagaskars erfahren möchte, kann gerne in meinem Bericht nachlesen, was eigentlich ein Eigentlicher Streifentenrek ist.

Gemeinsam zu dritt im Rucksack zu reisen, ist das reinste Vergnügen. Baby Viki kuschelte sich sicher zwischen die weichen Fächer und lugte mit riesigen Kulleraugen über den Rand, während mini Christopher bereits die Route im Kopf abging und Papa mit gewohnt schelmischen Ratschlägen versorgte. Die Sonne strahlte vom tiefblauen Himmel, die Luft roch nach spätsommerlichem Waldboden – ideale Bedingungen für eine Entdeckertour über die Höhen der Schwäbischen Alb.

Die Alte Steige: Hangrutsch-Spannung und der steile Stich zum Aimer

Unser heutiger Ausgangspunkt war Gosbach. Von dort aus führte uns der Weg direkt hinein in die schattigen Hänge des Albtraufs. Unser erstes Zwischenziel: die geschichtsträchtige „Alte Steige“.

Dieser historische Aufstieg trägt seinen Namen völlig zu Recht. Fast schnurgerade zieht der Weg den Berg hinauf. Schon nach den ersten paar hundert Metern merkten wir, wie Papas Atemfrequenz spürbar anstieg. Der Weg ist anspruchsvoll, steinig und gespickt mit urwüchsigen Wurzeln. Besonders aufregend wurde es an der Stelle des bekannten Hangrutsches: Hier sieht man eindrucksvoll, welche gewaltigen Naturkräfte am Albtrauf am Werk sind, wenn das Gestein in Bewegung gerät. Große Felsbrocken und freigelegte Erdschichten zeugen davon, wie lebendig und wandelbar dieses Mittelgebirge ist.

Blick durch die Felsenschlucht an der Steige bei Gosbach

Als willkommene Verschnaufpause nutzten wir einen spektakulären Aussichtspunkt mit freiem Blick auf die schroffe Felswand. Wir drei Tenreks streckten die Schnäuzchen in den Wind, während Papa kurz die Rucksackgurte lockerte und einen kräftigen Schluck aus der Trinkflasche nahm.

Am oberen Ende der Steige standen wir schließlich vor der unvermeidlichen Weggabelung: Nach rechts schlängelt sich ein sanfter, längerer Serpentinenweg den Berg hinauf. Doch direkt nach links zweigt eine extrem steile Abkürzung ab – ein Pfad, der fast senkrecht durch das Gelände schneidet und nur für trittsichere Bergsteiger gedacht ist.

„Na, Papa, nehmen wir den gemütlichen Schleifenweg oder bezwingen wir die Wand?“, grinste mini Christopher keck aus dem Rucksackfach hervor.
Papa wischte sich den Schweiß von der Stirn, lachte kurz auf und bog selbstverständlich links ab. Halbe Sachen gibt es bei Gosbacher Bergsteigern schließlich nicht! Mit brennenden Oberschenkeln, aber stoischer Entschlossenheit meisterte er die steile Rampe, bis wir schließlich tief durchatmend das Hochplateau am Aimer erreichten. Der erste schweißtreibende Härtetest war mit Bravour bestanden!

Reh-Begegnung auf dem Aimer und Gipfelglück am Tierstein: Winke-Winke für Jorgen

Oben auf dem Aimer angekommen, veränderte sich die Landschaft schlagartig. Statt steiler Abhänge empfing uns eine friedliche Hochebene mit weiten Wiesen, sonnendurchfluteten Waldrändern und wohltuender Stille. Papa atmete tief ein, während wir drei Tenreks neugierig die Umgebung absuchten.

Und genau in diesem Moment passierte es: Keine zwanzig Meter vor uns knackte es leise im Unterholz. Plötzlich schnellten zwei wunderschöne Rehe mit federleichten Sprüngen über unseren Wanderweg! Mit weit aufgerissenen Augen hielten wir kollektiv den Atem an. Die Tiere hielten für einen winzigen Wimpernschlag auf der Lichtung inne, blickten mit ihren dunklen Knopfaugen kurz zu unserem Rucksack herüber und verschwanden dann lautlos im dichten Geäst. Baby Viki quiekte vor Begeisterung fast laut auf – doch mini Christopher legte geistesgegenwärtig ein Pfötchen auf ihr Schnäuzchen: „Ganz leise sein, Baby Viki, das sind echte Waldbewohner!“ Was für eine magische Zufallsbegegnung!

Beflügelt von diesem Naturerlebnis setzten wir unseren Weg fort und erreichten wenig später den Aussichtspunkt am Tierstein. Der Tierstein ist eine markante, weit vorspringende Felsformation aus hellem Weißjura-Kalkstein, die kühn über dem Filstal ragt. Wenn man hier an die Kante tritt, liegt einem das Tal im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen.

„Guckt mal, da hinten ist unser Haus!“, piepste Baby Viki begeistert und deutete mit ihrem kleinen Pfötchen ins Tal hinunter.
Wir schärften unsere Tenrek-Augen und blickten ganz genau hin. Durch das Küchenfenster konnte man schemenhaft unseren Pinguinfreund Jorgen erahnen. Während er sonst bei spannenden Burgenerkundungen – wie damals auf der Burgruine Reußenstein – treu an unserer Seite wacht, widmete er sich heute seiner kulinarischen Lieblingsbeschäftigung. Wir malten uns lebhaft aus, wie er saftige Fischstreifen, Essiggurken und eine extra dicke Schicht Remoulade auf zwei Toastscheiben packte und genüsslich mit den Flügeln schlug. Wir drei Tenreks stellten uns brav nebeneinander an den Felsrand und winkten synchron hinab ins Tal: Guten Appetit, lieber Jorgen!

Entlang des Albtraufs: Flinke Waldmäuse und der steile Stich zur Hiltenburg

Vom Tierstein aus wanderten wir weiter durch den schattenspendenden Hangwald oberhalb des Filstals. Unter den dichten Buchenkronen herrschte ein herrliches Mikroklima, das uns die Hitze des Tages vergessen ließ. Im raschelnden Laub am Wegesrand entdeckten wir dabei immer wieder winzige, flinke Gestalten: Mehrere Waldmäuse huschten blitzschnell von Wurzel zu Wurzel und verschwanden blitzartig in ihren unterirdischen Bauten. Mini Christopher beobachtete sie mit fachmännischem Blick und stellte fest: „Die sind fast so wendig wie wir Streifentenreks im madagassischen Regenwald – nur ohne unsere hübschen gelben Rennstreifen!“

Schließlich erreichten wir die gemütliche Albvereinshütte der Ortsgruppe Bad Ditzenbach, die malerisch unterhalb des Schlossbergs liegt. Wer jedoch glaubte, das Gipfelziel sei damit bereits erreicht, hatte die Rechnung ohne die Topografie der Schwäbischen Alb gemacht. Vor uns ragte der Schlossberg auf – und die letzten 100 bis 150 Höhenmeter hinauf zur Hiltenburg hatten es noch einmal gewaltig in sich. Der Weg zog steil geradeaus den Hang empor. Papa mobilisierte die letzten Kraftreserven, während wir drei Tenreks ihn aus dem Rucksack heraus mit rhythmischem Anfeuern motivierten: „Eins, zwei, Schritt! Eins, zwei, Schritt!“

Geschichte zum Anfassen, gigantische Fernsicht und alte Kellergewölbe

Oben angekommen, breitete sich die Ruine der Hiltenburg in ihrer ganzen Pracht vor uns aus. Ich war zwar schon einmal im Rahmen meines Heldentrips zur Hiltenburg hier oben, aber mit mini Christopher und Baby Viki gemeinsam machte das Erkunden gleich dreimal so viel Spaß.

Die Hiltenburg thront in stolzen 707 Metern Höhe über Normalnull auf dem Schlossberg und blickt auf eine bewegte, dramatische Vergangenheit zurück. Wir studierten aufmerksam die große Informationstafel zur Geschichte des Schlossbergs: Im Jahr 1289 wurde die Wehranlage erstmals urkundlich als Sitz eines Amtmannes der Grafen von Helfenstein erwähnt. Ab 1356 diente sie der älteren helfensteinischen Linie als Nebenresidenz, bevor sie 1396 sogar zum Hauptwohnsitz des Grafengeschlechts aufstieg. Zwischen 1446 und 1482 war die stolze Feste vorübergehend an Württemberg verpfändet.

Das tragische Ende der Burg besiegelte die Nacht vom 8. auf den 9. November 1516: Auf Befehl von Herzog Ulrich von Württemberg wurde die zuvor geplünderte Residenzburg niedergebrannt und zerstört. Aus Kostengründen baute man sie nie wieder auf, und die Helfensteiner verlegten ihren Residenzsitz kurzerhand ins nahegelegene Wiesensteig. Zwischen 1976 und 1979 wurden die verbliebenen Mauerreste schließlich von der Forstdirektion Stuttgart und dem Staatlichen Forstamt Weilheim/Teck aufwendig gesichert. Bei späteren Restaurierungen brachte die Kreisarchäologie Göppingen durch gezielte Ausgrabungen viele faszinierende Geheimnisse der alten Burg zutage.

Informationstafel zur Geschichte des Schlossbergs und der Burg Hiltenburg

Was für eine spannende Historie! Und die Aussicht von der Burgmauer ist wahrlich königlich: Der Blick schweift über das gesamte Filstal – über die Dächer von Bad Ditzenbach und Deggingen, hinein ins malerische Seitental Richtung Auendorf und zurück über Gosbach bis hinüber nach Mühlhausen.

Anschließend stiegen wir vorsichtig in die alten Keller der Burganlage hinab. Sogleich umfing uns eine geheimnisvolle Kühle. Papa erzählte uns dabei mit leiser Stimme von einem früheren Besuch im tiefsten Winter: Damals hingen von den gewölbten Decken fingerdicke, glasklare Eiszapfen herab wie glitzernde Stalaktiten. Mini Christopher und Baby Viki lauschten mit aufgestellten Öhrchen – das klang ja fast wie bei unserer Höhlentour im Sommer, als wir das Höhlen-Chaos zwischen Wiesensteig und der Schertelshöhle erforscht hatten! Und dass die Helfensteiner nach der Zerstörung der Hiltenburg ausgerechnet nach Wiesensteig umgezogen waren, passte wie das Puzzleteil zur Geschichte.

Nach einem Abstecher in die sehenswerte Ausstellung im Dokumentationszentrum im Turm gönnten wir uns eine ausgiebige Pause auf der hölzernen Liegebank auf dem Schlossberg. Papa streckte die Beine in die Sonne, wir atmeten tief durch und genossen die friedliche Höhenluft.

Papa und Klein Viki im Rucksack auf der Liegebank auf dem Schlossberg Hiltenburg

Über die Burgsteige zur Holz-Goißa-Familie und Rast auf der Mohnstriezel-Bank

Irgendwann hieß es Abschied nehmen vom Schlossberg. Für den Abstieg wählten wir den Wanderweg hinunter zur Burgsteige nach Bad Ditzenbach. Trittsicher trug uns Papa den steilen Pfad hinab ins Tal, wo uns das beschauliche Kurstädtchen empfing.

Bevor wir uns auf den Heimweg machten, bogen wir in den weitläufigen Bad Ditzenbacher Fitalpark ein. Plätschernde Bäche sucht man hier zwar vergebens, dafür hielt der Park eine ganz besondere regionale Überraschung für uns bereit: eine liebevoll geschnitzte Familie aus Holz-Goißa!

Dass hier Ziegen aus Holz auf den Felssteinen stehen, ist natürlich kein Zufall. Das Obere Filstal wird im Volksmund seit jeher liebevoll als „Goißatäle“ bezeichnet, weil die kargen, steilen Hänge der Schwäbischen Alb früher vor allem den genügsamen Ziegen – den schwäbischen „Goißa“ – Nahrung boten. Eine Geiß graste friedlich, ein Zicklein lag gemütlich im Gras und die anderen beiden hielten Ausschau. Mini Christopher und Baby Viki schlossen sofort Freundschaft mit den hölzernen Ziegen und posierten für ein paar lustige Schnappschüsse, während Papa auf einer Liegebank die Beine ausstreckte und die warme Spätsommersonne genoss.

Die geschnitzte Holz-Goißa Ziegenfamilie im Fitalpark Bad Ditzenbach

Ausgeruht traten wir das letzte Teilstück unserer Wanderung entlang der Fils an. Doch kurz vor Gosbach wartete noch ein echtes Highlight auf uns: eine sonnige Holzbank am Wegesrand, die Papa schmunzelnd die „Mohnstriezel-Bank“ nannte.

„Kommt, ihr drei Bergsteiger, hier machen wir noch das offizielle Abschlussfoto!“, verkündete Papa, stellte den Rucksack auf die Holzlatten der Bank und zückte die Kamera.
Mini Christopher machte es sich lässig im Seitenfach bequem, ich thronte stolz im Hauptfach und lächelte brav in die Linse. Doch wo war Baby Viki? Genau in dem Augenblick, als Papa auf den Auslöser drückte, hatte unsere kleine Schwester nur eines im Kopf: Süßigkeiten! Mit vollem Körpereinsatz tauchte sie kopfüber in die Tiefen des Rucksackbodens ab, um nach verborgenen Traubenzucker-Vorräten oder Kekskrümeln zu suchen. Auf dem Foto sieht man mich und mini Christopher perfekt posieren – während von Baby Viki nur noch ein wuselnder Tenrek-Hintern im Rucksackinneren zu erahnen ist! Ein Bild für die Ewigkeit, über das wir Tränen gelacht haben.

Gruppenfoto auf der Mohnstriezel-Bank: Klein Viki und mini Christopher posieren im Rucksack, während Baby Viki nach Süßigkeiten taucht

Glücklich, mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck und herrlich müden Pfötchen erreichten wir schließlich unser Zuhause in Gosbach. Als wir die Haustür öffneten, empfing uns Pinguin Jorgen mit einem breiten Lächeln. Zwar waren alle Spuren seines Mittagsmahls säuberlich beseitigt, aber der feine Duft von getoastetem Brot und Fisch lag unverkennbar in der Luft.

Zufrieden kuschelten wir uns aufs Sofa. Was für ein rundum perfekter Wandersonntag im Goißatäle!

Habt ihr auf euren Wanderungen auch schon einmal unerwartet Rehe im Wald beobachtet, oder seid ihr wie Baby Viki immer auf der Jagd nach dem besten Wander-Proviant? Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare – ich freue mich schon auf eure Geschichten!