Bin ich ein Igel im Bienenkostüm?

Hallo liebe Reisefreunde und treue Blogleser! Hier ist wieder eure Klein Viki. Auf unseren vielen tollen Reisen und Ausflügen, bei denen ich sicher im Rucksack meiner Menschen sitze oder mutig auf einem Berggipfel für ein Foto posiere, passiert oft genau dasselbe. Wildfremde Menschen bleiben stehen, zeigen mit dem Finger auf mich und fragen meine Mama und Papa völlig verwirrt: Was ist das denn für ein kleines Tierchen? Ist das ein gestreifter Igel? Ein winziges Wildschwein im Bienenkostüm? Oder gar ein Dachs, der bei der Wäsche eingelaufen ist? Ich muss dann immer in meinen weichen Plüschpfoten kichern. Die Menschen haben ja keine Ahnung! Deshalb habe ich mich heute hingesetzt, meine kleine Schnauze in schlaue Bücher und ins Internet gesteckt und beschlossen, euch allen einmal ausführlich zu erklären, wer und was ich eigentlich bin. Ich bin nämlich eine sehr stolze Vertreterin der Spezies der Eigentlichen Streifentenreks. Und lasst mich euch sagen: Meine wilden Verwandten sind absolut faszinierend und mindestens so abenteuerlustig wie ich!

Ein Ticket nach Madagaskar, bitte!

Wenn ich nicht gerade gemütlich auf unserem heimischen Sofa sitze oder mit meinen Menschen die große weite Welt erkunde, wäre meine eigentliche, echte Heimat sehr weit weg von hier. Meine wilden Cousins und Cousinen leben nämlich auf einer riesigen, wunderschönen Insel im Indischen Ozean: Madagaskar! Ganz genau gesagt, findet man den Eigentlichen Streifentenrek in den dichten, immergrünen Regenwäldern an der Ostküste dieser Insel. Stellt euch das vor: Überall riesige, grüne Farne, uralte Bäume, Lianen, die von den Ästen hängen, und ein feucht-warmer Nebel, der durch das Unterholz zieht. In dieser wilden, unberührten Natur fühlen sich meine Verwandten pudelwohl. Sie wuseln dort durch das dichte Blattwerk auf dem feuchten Waldboden. Wenn ich ehrlich bin, bin ich ganz froh, dass ich ein Kuscheltier bin. Der Regenwald klingt zwar nach einem tollen Abenteuerspielplatz, aber ich mag es schon sehr gerne trocken, und mein Plüschfell sieht nach einem warmen Föhn-Bad einfach viel fluffiger aus. Trotzdem bin ich unglaublich stolz auf meine exotischen Wurzeln.

Haute Couture des Dschungels: Mein stacheliges Design

Lasst uns über Mode sprechen! Wir Streifentenreks sind modisch gesehen der absolute Hingucker im madagassischen Unterholz. Mein echtes, wildes Vorbild wird etwa zwölf bis sechzehn Zentimeter lang und wiegt so um die hundert bis zweihundert Gramm. Also ungefähr so viel wie eine mittelgroße Tafel Schokolade, nur viel niedlicher! Ein Schwänzchen haben wir übrigens nicht, das würde beim Wuseln durch die dichten Büsche ohnehin nur stören. Aber unser absolutes Markenzeichen ist natürlich unser fabelhaftes Fell. Wir tragen einen eleganten schwarzen Grundton, der durch leuchtend gelbe Längsstreifen aufgepeppt wird. Ein besonders schicker, gelber Streifen verläuft genau von der Nase bis zur Stirn.

Aber das ist noch nicht alles. Während mein Fell aus reinem, weichem Kuschelplüsch besteht, das man stundenlang streicheln möchte, haben meine wilden Verwandten ein echtes Verteidigungsarsenal auf dem Rücken. Sie besitzen nämlich echte Stacheln, die zwischen den Haaren versteckt sind! Besonders im Nacken haben sie einen beeindruckenden Kranz aus kräftigen Stacheln. Wenn ein hungriges Raubtier, wie zum Beispiel die Fossa, vorbeikommt und denkt, ein Tenrek wäre ein guter Snack, stellt mein Cousin einfach seine Nackenstacheln auf und beginnt, mit dem Kopf auf und ab zu nicken, um dem Angreifer die Stacheln entgegenzustrecken. Ein ziemlich cleverer Trick, findet ihr nicht auch? Ich brauche das zum Glück nicht. Meine Menschen beschützen mich vor allen Gefahren, und das Gefährlichste, dem ich begegne, ist vielleicht mal ein verirrter Krümel in der Rucksacktasche.

Klick, Klick, Rassel: Unsere geheime Stachelsprache

Jetzt kommt der Teil, den ich beim Recherchieren am allerbesten fand, weil er fast wie Zauberei klingt. Wusstet ihr, dass Streifentenreks miteinander sprechen können, indem sie Musik machen? Ja, ganz im Ernst! Und sie benutzen dafür weder ihre kleine Schnauze noch irgendwelche Instrumente aus dem Regenwald. Sie benutzen ihren eigenen Rücken! In der Mitte unseres Rückens haben die wilden Tenreks eine ganz spezielle Gruppe von Stacheln. Wenn sie diese Stacheln superschnell aneinanderreiben, entsteht ein ganz hohes, rasselndes Geräusch. Die Wissenschaftler nennen dieses Wunderwerk der Natur Stridulation.

So etwas gibt es bei Säugetieren fast gar nicht, man kennt das eigentlich eher von Grillen oder anderen Insekten. Durch dieses Rasseln können die Tenreks im dichten, dunklen Dschungel miteinander kommunizieren. Besonders die Tenrek-Mamas benutzen das, damit ihre kleinen Babys nicht im hohen Farn verloren gehen. Das Geräusch ist so hoch, dass es für manche Feinde gar nicht richtig zu hören ist, aber die Familie weiß immer genau, wo die anderen sind. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte auch solche musikalischen Stacheln. Dann könnte ich ein kleines Rassel-Konzert veranstalten, wenn meine Menschen mich mal wieder für fünf Minuten auf dem Autositz vergessen haben, während sie sich einen Kaffee holen!

Ein Festmahl, das sich windet

Was das Essen angeht, bin ich als Plüsch-Tenrek ja sehr genügsam. Ich ernähre mich hauptsächlich von der guten Laune meiner Besitzer, von aufregenden Aussichten und ab und zu schnuppere ich an einem Keks, der neben mir auf dem Picknickteller liegt. Meine wilden Verwandten auf Madagaskar sind da jedoch ganz anders. Die haben immer Hunger und sind echte Feinschmecker! Ihr absolutes Lieblingsgericht? Regenwürmer! Ganz viele, dicke, feuchte Regenwürmer.

Mit ihrer langen, spitzen Schnauze wühlen sie den ganzen Tag und die ganze Nacht im feuchten Laub des Regenwaldes herum. Wenn sie einen Regenwurm erschnüffeln, packen sie ihn flink und schwups, weg ist er. Sie fressen aber auch Insekten oder andere kleine Krabbeltiere, wenn sich gerade kein Wurm blicken lässt. Ein schlauer Trick meiner wilden Familie ist das Fußtrommeln. Manchmal stampfen sie ganz schnell mit den Vorderpfötchen auf den Boden. Die Vibrationen treiben die armen Regenwürmer an die Oberfläche, wo sie schon von einer hungrigen Tenrek-Schnauze erwartet werden. Ein echtes Schlaraffenland für kleine Wühler!

Je mehr, desto kuscheliger: Unser soziales Leben

Viele andere Tenrek-Arten sind absolute Einzelgänger und wollen ihre Ruhe haben. Aber nicht wir Eigentlichen Streifentenreks! Wir sind unglaublich gesellige Tiere und lieben große Familienfeiern. Meine wilden Verwandten leben in Gruppen zusammen, manchmal sogar bis zu zwanzig Tiere oder mehr in einem einzigen großen Bau unter der Erde. Sie graben lange Tunnelsysteme, die weich mit Blättern ausgepolstert werden. Dort kuscheln sie sich alle dicht aneinander, putzen sich gegenseitig das Fell und halten sich warm.

Das finde ich wunderbar, denn auch ich bin ein sehr soziales Wesen. Ohne meine Menschen und unsere gemeinsamen Touren wäre mir furchtbar langweilig. Und genau wie eine große Tenrek-Familie aufeinander aufpasst, passen meine Menschen auf mich auf. Die Streifentenreks bekommen auch unglaublich gerne und viele Babys, damit der Familienbau immer schön lebendig bleibt. Die Kleinen sind schon kurz nach der Geburt winzige, gestreifte Kopien ihrer Eltern und wuseln bald fröhlich durch den Dreck.

Wenn es kalt wird, machen wir einfach mal Pause

Wir Streifentenreks haben noch ein weiteres Geheimnis, das uns zu sehr ungewöhnlichen Säugetieren macht. Wenn der madagassische Winter naht, es also etwas kühler wird und es vor allem nicht mehr so viele saftige Regenwürmer gibt, machen meine Verwandten einfach eine lange Pause. Sie können ihre Körpertemperatur nämlich nicht so perfekt konstant halten wie zum Beispiel ein Mensch oder ein Hund. Wenn es draußen kalt wird, wird der kleine Tenrek auch kalt. Das nennt man Torpor, eine Art Winterruhe. Sie ziehen sich in ihren gemütlichen Erdbau zurück, fahren ihren Stoffwechsel herunter und warten, bis das Wetter wieder wurmfreundlicher wird.

Ein bisschen erinnert mich das an uns Kuscheltiere, wenn wir nach einem langen, aufregenden Reisetag abends in unser Reisebettchen gelegt werden. Wir bewegen uns nicht mehr, wir machen keinen Mucks, bis der nächste Morgen anbricht und ein neues Abenteuer auf dem Programm steht!

Also, meine lieben Leser, jetzt seid ihr echte Experten für Eigentliche Streifentenreks! Wenn mich das nächste Mal jemand für einen bemalten Igel hält, könnt ihr laut rufen: Halt, das ist Klein Viki, der stolzeste Streifentenrek der Welt! Es ist toll zu wissen, dass ich von so klugen, musikalischen und tapferen kleinen Tieren abstamme. Auch wenn ich meine Abenteuer lieber in den Bergen oder an schönen Seen mit meinen Menschen erlebe, anstatt im Schlamm nach Würmern zu buddeln.

Sagt mal, wo genau soll ich eigentlich meine kleine spitze Schnauze auf unserer aller nächsten Reise in den Wind halten?