Ein stacheliger Start in den Tag
Guten Morgen, liebes Tagebuch und hallo an alle meine Abenteuer-Freunde da draußen! Hier ist eure Klein Viki, die wohl reiselustigste Tenrek-Dame der Welt. Wisst ihr, was das Beste am Urlaub ist? Nein, es sind nicht nur die neuen Gerüche und die vielen bunten Lichter – es ist das Frühstück! Unser zweiter Tag in der wunderschönen Stadt Salzburg begann genau so, wie jeder perfekte Tag beginnen sollte: mit einem Buffet, das so groß war, dass ich und mein Bruder, der kleine mini Christopher, fast darin verschwunden wären. Während mini Christopher noch halb verschlafen an einem Krümel knabberte, war ich schon hellwach und bereit für den großen Museums-Marathon.

Wir wussten ja schon vom Vortag, wie der Hase – oder in unserem Fall der Igel – läuft. Also schnappten wir uns wieder den Bus in Richtung Innenstadt. Ich liebe Busfahren! Man sitzt sicher in der Tasche, schaut aus dem Fenster und die Welt zieht wie ein bunter Film an einem vorbei. Die Salzach glitzerte in der Vormittagssonne und die Festung Hohensalzburg thronte majestätisch über uns, als wollten sie uns persönlich begrüßen. Ich fühlte mich wie eine kleine Königin auf dem Weg zu ihrem Hofstaat.
Zu Besuch beim Wunderkind

Unser erster Stopp war ein ganz besonderes Haus. Es ist knallgelb, steht in der berühmten Getreidegasse und jeder hier scheint es zu kennen: Mozarts Geburtshaus. Papa war sofort im Jagdfieber – allerdings jagte er keine Käfer, sondern Motive. Sein Schießeisen, wie er seine Kamera liebevoll nennt, kam kaum zur Ruhe. Klick, klick, klick! Ich glaube, die Linse hat fast geglüht. Wir mussten uns manchmal richtig festhalten, damit wir bei dem ganzen Posieren nicht aus der Tasche purzelten.

Im Inneren lernten wir eine Menge über diesen Wolfgang Amadeus Mozart. Stellt euch vor, der kleine Kerl hat schon Musik gemacht, als er noch gar nicht viel größer war als ich! Sein Papa hat ihm alles beigebracht. Wir haben seine echte Kindergeige gesehen und sein Klavier. Ich habe mir kurz vorgestellt, wie mini Christopher und ich über die Tasten hüpfen und ein Tenrek-Konzert geben würden, aber ich glaube, das Aufsichtspersonal hätte das nicht so lustig gefunden wie ich. Besonders spannend war die Abteilung zur Zauberflöte. Das ist seine berühmteste Oper. Ich fand den Namen toll – vielleicht gibt es ja auch irgendwo eine Zauber-Zikade für uns Tenreks? Das wäre ein Festmahl! Das Haus ist zwar alt und die Dielen knarren bei jedem Schritt, aber man spürt richtig, dass hier einmal ein echtes Genie gewohnt hat. Auch wenn die Betten damals für uns Igel vielleicht passend waren, für Menschen sahen sie doch recht kurz aus.

Die große Verwirrung auf dem Mönchsberg
Nach so viel Geschichte brauchten wir erst einmal etwas frische Luft und einen Tapetenwechsel. Also ging es ab zum Mönchsbergaufzug. Das ist wie eine Rakete, nur dass man nicht im Weltraum landet, sondern auf einem Berg mitten in der Stadt. Oben angekommen, blieb mir erst einmal die Spucke weg. Was für eine Aussicht! Ganz Salzburg lag uns zu Füßen. Die vielen Kirchtürme, die grünen Dächer und der glitzernde Fluss – ich hätte stundenlang dort sitzen und meine Nase in den Wind halten können.

Aber wir waren ja für die Kunst hier. Das ‚Museum der Moderne Salzburg‘ wartete auf uns. Nachdem wir gefühlt eine Million Stufen erklommen hatten (na gut, Papa hat uns getragen, aber das Zusehen war auch anstrengend!), traten wir ein. Und dann... nun ja, wie soll ich es sagen? Ich war verwirrt. Ich dachte, in einem Museum sieht man schöne Bilder oder Statuen. Aber was ich dort sah, erinnerte mich eher an die Garage von Papa, wenn er mal wieder drei Jahre lang nicht aufgeräumt hat.

Überall lagen alte, teilweise kaputte Gegenstände herum. In einer Ecke hingen rostige Rohre von der Decke. Ich flüsterte mini Christopher ins Ohr: Du, ich glaube, die sind noch beim Renovieren und wir sind durch den Hintereingang rein. Aber nein, das sollte Kunst sein! Da ist die Rumpelkammer zu Hause wirklich interessanter, da findet man wenigstens noch ab und zu eine verlorene Socke oder einen alten Tennisball.

Mama war dann völlig fasziniert von einem angespitzten Stock. Ich habe sie mit meinen Knopfaugen ganz fragend angeschaut, aber sie meinte nur, das könne sie mir aus Jugendschutzgründen nicht erklären. Na toll, da bin ich einmal alt genug, um in ein Museum zu gehen, und dann ist der Stock zu gefährlich für kleine Igel-Ohren? Das Einzige, was mir wirklich gefallen hat, war ein riesiger Kugelfisch, der von der Decke baumelte. Er sah fast so aus wie ich, wenn ich mich ganz doll aufrege, nur ohne Stacheln und viel runder. Und da war noch ein Fenster, das ganz dunkel eingefärbt war und den Wald draußen in ein mystisches Licht tauchte. Das sah aus wie ein Zauberwald, in dem kleine Tenreks bestimmt viele Abenteuer erleben könnten. Trotzdem: Als kleine Igeldame mit gesundem Verstand verstehe ich moderne Kunst wohl einfach nicht. Für mich muss Kunst entweder glitzern, flauschig sein oder man muss sie essen können.

Dunkle Gänge und gruselige Aussichten

Papa hatte dann eine ganz besondere Idee. Er wollte unbedingt in die Katakomben. Ich sage es euch direkt: Mein kleiner Tenrek-Magen hat kurz ein bisschen gegrummelt. In den Fels gehauene Gänge? Dunkelheit? Das klang nach einem Abenteuer, für das man sehr tapfer sein muss. Wir kraxelten also die Treppen hinauf – und das waren viele! Eine echte Herausforderung für unsere kleinen Beinchen, wenn wir selbst hätten laufen müssen. Aber wir haben das in der sicheren Obhut von Mama und Papa natürlich meisterhaft bewältigt.

Da drin war es vielleicht gruselig! Ich hätte mich da alleine niemals hineingetraut, nicht für alle Mehlwürmer der Welt. Es gab einen Altarraum, der so düster war, dass man kaum die eigene Pfote vor Augen sehen konnte. Aber als wir dann aus den kleinen Felsenfenstern schauten, war die Angst vergessen. Man hatte einen fantastischen Blick auf den Friedhof von St. Peter, der direkt hinter dem Dom liegt. Die alten Grabsteine und die schmiedeeisernen Kreuze sahen von oben aus wie ein kleines Kunstwerk – viel schöner als die kaputten Rohre im Museum der Moderne!

Klaviere, Opern und ein süßer Himmel
Da wir schon mal im Mozart-Fieber waren, besuchten wir danach noch das Mozart-Wohnhaus am Makartplatz. Hier war alles ein bisschen weitläufiger als im Geburtshaus. Wieder sahen wir Klaviere, Geigen und Originalschriften von seinen Opern. Es war zwar interessant zu sehen, wo er später gelebt hat, aber ehrlich gesagt: Nach dem dritten Klavier fangen alle Tasten an, gleich auszusehen. Mini Christopher hat schon angefangen zu gähnen, und ich muss zugeben, meine kleinen Beinchen (oder eher die Schultern von Papa) brauchten auch mal eine Pause von der Hochkultur.

Und wie durch Zauberei wurde mein Wunsch erhört! Am Nachmittag trafen wir uns mit einer Freundin im berühmten Cafe Mozart. Leute, ich sage euch, das war das absolute Highlight des Tages! Vergessen waren die kaputten Rohre und die vielen Treppen. Hier roch es nach geschlagener Sahne, frisch gebrühtem Kaffee und warmem Teig. Ein kulinarisches Erlebnis der Extraklasse!

Es gab heiße Schokolade, die so cremig war, dass ich am liebsten darin gebadet hätte (was Mama natürlich verboten hat). Und dann kam der Nachtisch: Apfelstrudel UND Topfenstrudel. Und als wäre das nicht schon paradiesisch genug, gab es dazu sowohl Vanilleeis als auch eine riesige Portion warme Vanillesoße. Ich habe mich ganz klein gemacht, um so viel wie möglich von diesem herrlichen Duft aufzusaugen. Ein kleiner Klecks Vanillesoße ist „rein zufällig“ auf meiner Nase gelandet – mhhhm, lecker! Das hat unsere Lebensgeister sofort wieder geweckt.

Das kleinste Haus und der große Schlaf
Frisch gestärkt haben wir dann noch eine kleine Stadtrunde gedreht. Salzburg hat nämlich noch eine Kuriosität zu bieten: das kleinste Haus der Stadt. Es ist so schmal, dass man es fast übersieht, wenn man nicht genau hinschaut. Es ist gerade einmal 1,42 Meter breit! Stellt euch das mal vor. Ich habe gelernt, dass die Bewohner sich früher extrem gut mit ihren Nachbarn vertragen mussten. Warum? Weil sie keine eigene Toilette hatten und die der Nachbarn mitbenutzen mussten!

Als ich das hörte, habe ich mini Christopher ganz fest angeguckt. Also, ich bin ja wirklich froh, dass wir zu Hause unser eigenes stilles Örtchen haben. Stellt euch vor, man muss nachts mal raus und muss erst beim Nachbarn klingeln. „Tschuldigung, darf der Igel mal kurz?“ – Nein danke, das wäre nichts für mich. Da bleibe ich lieber bei meinem gewohnten Luxus.
Als wir schließlich wieder im Hotel ankam, passierte etwas Lustiges. Normalerweise sind Mama und Papa ja die Großen und Starken, aber kaum hatten wir die Zimmertür hinter uns geschlossen, ließen sie sich sofort ins Bett fallen. Sie haben sich nicht mehr gerührt! Ich stand da, schüttelte meine Stacheln aus und war eigentlich bereit für eine Runde Fangen oder Verstecken. Aber scheinbar ist es für Menschen unglaublich anstrengend, zwei so abenteuerlustige, kleine Igel den ganzen Tag durch die Stadt zu tragen und ihnen die Welt zu erklären.
Mini Christopher und ich haben uns dann einfach leise an sie gekuschelt. Es war ein langer, ereignisreicher Tag voller Musik, merkwürdiger Kunst und süßer Leckereien. Salzburg, du hast uns heute wirklich beeindruckt, auch wenn wir die modernen Sachen vielleicht noch mal üben müssen. Jetzt ruhen wir uns erst einmal aus, damit wir morgen wieder fit für neue Entdeckungen sind.
Wer weiß, wo es uns als Nächstes verschlägt? Vielleicht irgendwohin, wo es noch mehr Kuchen gibt?