Ein Samstagmorgen nach Tenrek-Geschmack
Wenn am Samstagmorgen um Punkt acht Uhr in der Küche das erste Wasser brodelt, Töpfe klappern und ein vertrauter Duft nach frisch gekochten Eiern durch die Wohnung zieht, dann weiß meine feine Tenrek-Nase sofort Bescheid: Es ist Tour-Tag! Papa war heute besonders früh auf den Beinen, schnippelte saftige Äpfel in mundgerechte Häppchen und verstaute alles fachgerecht im großen Wanderrucksack. Für mich, Klein Viki, sowie meine zwei treuen Begleiter – den klugen mini Christopher und die stets hungrige Baby Viki – gab es da kein Halten mehr. Ein freudiges Rascheln ging durch unser Stachelfell!
Nachdem alle Schuhe fest geschnürt, die Pfoten gründlich gesäubert und wir Tenreks sicher im und am Rucksack verstaut waren, konnte das Spätsommerabenteuer beginnen. Das Thermometer versprach einen prächtigen Tag an diesem 12. September 2026, und unser Ziel stand fest: Wir wollten von Gosbach hinauf zur Kreuzkapelle wandern und anschließend durch das idyllische Schönbachtal zurückkehren.

Der schweißtreibende Aufstieg zur Kreuzkapelle
Der Anstieg von Gosbach hinauf zur Hochfläche hat es in sich. Der Weg windet sich steil den Hang hinauf, und schon nach den ersten paar hundert Metern kam Papa ganz schön ins Schnaufen. Er keuchte, pustete und kämpfte sich Schritt für Schritt den Berg empor. Wir drei kleinen Tenreks haben natürlich unser Bestes gegeben, um ihn moralisch und physikalisch zu unterstützen: Wir haben uns im Rucksack mächtig dünne gemacht, die Luft angehalten und uns so leicht wie nur irgend möglich gefühlt. Dass die Gravitation am Albtrauf trotzdem gnadenlos zuschlägt, lag also keineswegs an uns!
Oben an der Kreuzkapelle angekommen, belohnte uns eine herrliche Aussicht und eine wunderbare Ruhe. Nach dieser enormen Anstrengung – die fairerweise ja hauptsächlich Papa erbringen musste, hihi – sicherten wir uns erst einmal einen Platz auf der großen Holzliegebank. Baby Viki, mini Christopher und ich streckten unsere Pfötchen aus und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Mein kleines Tenrek-Herz hüpfte vor Entzücken über diesen friedlichen Ort.


Ganz in der Nähe entdeckten wir ein schlichtes, hölzernes Kruzifix, das mit einem Nagel an einem alten, moosbewachsenen Baumstamm befestigt war – ein wirklich innehaltender Anblick mitten in der Natur.

Gipfelfrühstück und die Gummibären-Fahndung
Lange blieben unsere Bäuche jedoch nicht ruhig, denn Papa rief schon bald zum wohlverdienten Gipfelfrühstück auf dem hölzernen Rasttisch. Er zauberte die hartgekochten Eier und die süßen, knackigen Apfelschnitze hervor. Kaum war das erste Ei geschält und das Eigelb im Mund verschwunden, streckte Baby Viki auch schon ihre Nase in die Höhe. Mit großen, treuherzigen Augen fragte sie sofort nach Gummibärchen. Papa schmunzelte nur und meinte gütig, sie solle halt mal in den Seitentaschen des Rucksacks danach suchen. Ein Ratschlag, den Baby Viki wörtlicher nehmen sollte, als uns allen lieb war!

Eigentlich hatte Papa geplant, von der Kreuzkapelle aus einen Abstecher zur mysteriösen Rufstein-Grotte zu machen. Doch als wir uns dem Pfad näherten, bot sich uns ein wildes Bild: Umgestürzte, mächtige Baumstämme versperrten den gesamten Durchgang. Es sah überhaupt nicht mehr nach einem regulären Wanderweg aus. Da Papa die Natur und das empfindliche Ökosystem nicht unnötig stören wollte, trafen wir die vernünftige Entscheidung, den Rufstein links liegen zu lassen und direkt den Abstieg ins Schönbachtal anzutreten.
Das Fotokamera-Malheur im Schönbachtal
Beim Wechsel der Wege passierte es dann: In einem kurzen, unachtsamen Moment glitt Papa die 360-Grad-Actioncam aus den Händen. Das fiese Klacken beim Aufprall ließ uns vor Schreck direkt die Stacheln aufstellen! Natürlich – wie sollte es auch anders sein – waren die Schutzkappen auf den Linsen nicht angebracht! Als Papa die Kamera aufhob und das Ausmaß der Katastrophe begutachtete, war die Enttäuschung groß: Beide Linsen wiesen deutliche Kratzer auf. Doch Glück im Unglück: Bei dieser Actioncam lassen sich die Schutzlinsen zum Glück separat austauschen, sodass Papa sie jetzt einfach selbst wechseln kann. Aber Papa schnaufte nur einmal kurz durch, zuckte mit den Schultern und ließ sich von dem Linsen-Pech die gute Wanderlaune keineswegs verderben.
Das Schönbachtal entschädigte uns nämlich reichlich. Der breite Schotterweg führte uns sanft durch das grüne Tal, flaniert von sanften Hängen und unter einem makellos blauen Himmel. Die frische Herbstluft roch nach Moos und Laub – einfach fantastisch!

Der mysteriöse Schmatzer im Rucksack
Kurz vor den ersten Häusern von Gosbach durchbrach plötzlich ein seltsames Geräusch die Stille. Ein rhythmisches, feuchtes Schmatzen schallte von Papas Rücken. Papa blieb verwundert stehen, drehte leicht den Kopf und fragte ins Blaue hinein: „Sag mal, wer schmatzt da hinten eigentlich so?“
Ich beugte mich neugierig über den Rucksackrand nach unten und traute meinen Augen kaum: Baby Viki war mit ihrem halben Körper komplett in die Gummibärchentüte gekrabbelt und vertilgte seelenruhig die allerletzten Vorräte! Ich schaute zu Papa auf und rief: „Papa, das ist Baby Viki! Die isst gerade unsere eisernen Reserven auf!“ Papa schüttelte nur den Kopf und fragte scherzhaft: „Kriegt man euch Tenreks eigentlich überhaupt irgendwann einmal satt?“ Baby Viki mampfte unbeeindruckt weiter und antwortete mit vollgestopften Backen vergnügt: „Nein, ich bin ein Nimmersatt!“
Das Berliner-Drama daheim
Zu Hause angekommen, hatte Papa noch ein Einsehen mit unseren süßen Gelüsten. Er flitzte kurz in den Einkaufsmarkt um die Ecke und brachte einen prächtigen Berliner mit feiner Marmeladenfüllung mit. Auf dem Esstisch schnitt er den Gebäckklassiker sorgfältig in zwei Hälften.
Doch ehe wir anderen überhaupt reagieren oder einen Teller greifen konnten, blitzte eine kleine Tenrek-Pfote auf: Baby Viki schlug blitzschnell zu und verputzte ohne mit der Wimper zu zucken eine komplette Hälfte ganz allein! So mussten sich mini Christopher, Papa und ich zähneknirschend die verbliebene Hälfte teilen. Das Wort „Teilen“ existiert im Wörterbuch von Baby Viki wohl schlichtweg nicht!

Es war trotz der verkratzten Kameralinse ein wunderschöner Ausflug voller Lachen, Sonnenschein und kulinarischer Tenrek-Eskapaden.
Welches Gebäck müsst ihr zu Hause immer vor gierigen Schnauzen verteidigen? Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare!