Das verräterische Kribbeln am Morgen
Heute war es endlich so weit! Schon beim ersten Sonnenstrahl, der durch das Fenster blinzelte, habe ich es ganz deutlich in meinen weichen Plüschstacheln gespürt. Kennt ihr dieses besondere Kribbeln im Bauch, wenn man genau weiß, dass heute ein riesengroßes Abenteuer auf dem Programm steht? Es war kein gewöhnlicher Samstag. Unser Zuhause war erfüllt von einer ganz seltsamen, aufgeregten Energie. Papa ist regelrecht wild in der Wohnung auf und ab gesprungen. Er rannte von einer Ecke in die andere, bewaffnet mit geheimnisvollen raschelnden Tüten in den Händen, als würde er sich auf eine große Expedition vorbereiten.

Seine Mission war es, Eier von rechts nach links im Kühlschrank zu räumen, sie umzustapeln, neu zu sortieren und dabei leise vor sich hin zu murmeln. Mama saß währenddessen am Küchentisch, beobachtete das Spektakel und wurde von seiner hektischen Eier-Logistik fast in den Wahnsinn getrieben. Ich saß mucksmäuschenstill auf meinem Lieblingsplatz und beobachtete das Treiben mit großen, neugierigen Knopfaugen. Dann fiel endlich das magische Wort, das dieses ganze Chaos erklärte: Wir färben Ostereier!
Meine geheimen Ninja-Igel-Träume
Ehrlich gesagt, hatte ich ja überhaupt keinen blassen Schimmer, was man da genau macht. In meinem kleinen Igelkopf sah die Welt der Ostereier bisher völlig anders aus. Ich dachte immer, dass Hühner in der Osterzeit ohnehin von Natur aus bunte Eier legen. Mal rot, mal blau, mal grün gemustert. Diese magischen, bunten Eier werden dann vorsichtig verpackt und von streng geheimen Postboten in flauschigen Hasenkostümen direkt an die Haustür geliefert. Oder habe ich mir das etwa nur heute Nacht in meinen wilden Träumen zusammengereimt?
Irgendwie kommt mir da nämlich plötzlich ein furchtloser Ninja-Igel in den Sinn. In meinem Traum trug ich ein kleines, schwarzes Stirnband und schlich lautlos durch das Gras. Meine ehrenvolle Aufgabe als Ninja-Igel war es, genau aufzupassen, dass die vielen bunten Ostereier nicht einfach klammheimlich auf kleinen Beinchen weglaufen können, bevor sie im Körbchen landen. Es war ein harter Job! Aber Moment mal... Eier können doch sowieso nicht laufen, oder? Sie sind doch ganz rund und rollen höchstens davon. Ich glaube, da ist gerade einfach wieder meine lebhafte Igel-Fantasie mit mir durchgegangen. Die Abenteuerlust steckt mir eben bis in die Stachelspitzen!

Das große Zählen und die Sache mit dem Mixer
Aber zurück zum echten Geschehen in unserer heimischen Küche. Nachdem Papa seine eigenen Eier gefühlt hundertmal abgezählt hatte und dann auch noch die Eier von Oma mit in die riesige Sammlung aufgenommen hatte, ging das Spektakel endlich richtig los. Man brauchte eine klare Struktur, und da kam ich ins Spiel! Ich wurde zum offiziellen Farben-Sortier-Beauftragten ernannt. Meine erste, sehr wichtige Amtshandlung war es, die kleinen bunten Farbtabletten zu sortieren.
Ich muss an dieser Stelle ein kleines Geständnis machen: Mein erster Impuls war es, all diese hübschen, bunten Tabs einfach zusammen in den elektrischen Mixer zu werfen. Stellt euch das doch mal vor! Eine riesige, wirbelnde Regenbogen-Tornado-Explosion mitten in der Küche! Ich dachte wirklich, dass das ganz bestimmt eine absolut fantastische Farbmischung für die Eier ergeben würde. Ein bisschen Pink-Grün-Matsch-Grau, das wäre doch mal was Neues! Aber nein, meine kreative Vision wurde sofort gestoppt. Papa erklärte mir, dass ich jeden einzelnen Farb-Tab akribisch und geordnet in eine Reihe legen müsse. Wir hatten insgesamt sechs verschiedene Farben zur Auswahl: Ein strahlendes Gelb wie die Sonne, ein kräftiges Rot wie ein Feuerwehrauto, ein fröhliches Orange, ein tiefes Blau wie der Ozean von unseren Sommerreisen, ein geheimnisvolles Lila und ein saftiges Grün.
Die brodelnde Hexenküche
Während ich meine Tabs bewachte wie einen kleinen Schatz, verwandelte Mama den Herd in eine richtige Hexenküche. Sie machte in einem großen Topf eine Mischung aus Wasser und Essig heiß. Hui, das hat vielleicht in meiner feinen kleinen Igelnase gekitzelt! Der Geruch war so beißend, dass ich kurz niesen musste. Währenddessen war Papa im absoluten Akkord am Arbeiten. Sein treuer Begleiter: der Eierkocher.
Dieses kleine Gerät musste heute wirklich Höchstleistungen vollbringen. Ich habe mit meinen kleinen Pfoten ganz genau mitgezählt, wie oft Papa den Eierkocher befüllen, anschalten, ausräumen und wieder befüllen musste. Er hat das Gerät unglaubliche acht Mal aufgefüllt! Acht Mal! Ich saß da und dachte, dieser Prozess nimmt überhaupt gar kein Ende mehr. Es zischte, es dampfte, es piepste – unsere Küche glich einer fleißigen Eier-Fabrik.
Die Rettungsaktion der drei einsamen Eier
Zum großen Finale dieser Vorbereitungsphase hatten wir einen gigantischen Berg von insgesamt 45 Eiern vor uns liegen. Und das, obwohl der eigentliche Plan ganz anders aussah. Ursprünglich wollten wir nämlich streng nach Vorschrift nur 42 Eier kochen. Aber als ich so in den Kühlschrank linste, sah ich dort ganz hinten im Eck noch genau drei rohe, weiße Eier liegen. Sie sahen so furchtbar einsam und traurig aus, wie sie da in ihrem großen, leeren Karton auf ein Wunder warteten.
Mein weiches Igelherz konnte diesen Anblick einfach nicht ertragen. Ich hatte so großes Mitleid mit den restlichen drei Eiern, dass ich Papa mit meinem allerliebsten Hundeblick (den ich als Igel perfektioniert habe) ansah. Meine stumme Bitte wurde erhört: Sie durften natürlich auch Farbe annehmen und am großen Oster-Umstyling teilnehmen! Da die roten und blauen Farbtöpfe schon etwas leer waren, landeten meine drei geretteten Freunde im grünen Bad. Somit hatten wir am Ende eine leichte Übermacht an grasgrünen Eiern, aber das war mir völlig egal. Hauptsache, niemand wurde zurückgelassen!
Mein Aussichtsturm auf der Kaffeemaschine
Das Kochen der Eier im Eierkocher und das anschließende Färben im dampfenden Kochtopf mit dem heißen Essigwasser brauchte wirklich unendlich viel Zeit. Warten gehört absolut nicht zu meinen Stärken, besonders wenn so aufregende Dinge passieren. Ich war zwischendurch so hibbelig und ungeduldig, dass ich immer näher an die Farbtöpfe herangerutscht bin. Papa wurde das dann doch etwas zu gefährlich. Sicherheit geht vor, gerade bei kleinen, wuscheligen Blog-Autoren!
Damit ich mir nicht meine zarten kleinen Plüschfinger am heißen Wasser verbrenne oder versehentlich in den roten Topf purzele und als roter Tomaten-Igel wieder herauskomme, hat Papa mich kurzerhand umquartiert. Mein neuer Thron war die Kaffeemaschine! Von dort oben hatte ich die allerbeste Aussicht über die gesamte Arbeitsplatte. Ich thronte wie eine kleine Königin über den dampfenden Töpfen und konnte das Geschehen wie ein echter Bauleiter überwachen.
Die strenge Endkontrolle
Natürlich war meine Arbeit damit noch lange nicht beendet. Wer hoch oben sitzt, trägt auch viel Verantwortung. Als alle Eier endlich fertig gefärbt, glänzend und getrocknet waren, durfte ich die hochoffizielle Endkontrolle durchführen. Ich habe jedes der 45 Eier ganz genau mit meinen Knopfaugen begutachtet. Wurde die Farbe gleichmäßig angenommen? Stimmt der Glanz? Bis auf zwei oder drei Kandidaten, die leider während des wilden Bades einen kleinen Sprung in der Schale abbekommen hatten, waren aber alle anderen absolut perfekt geworden. Ein wahres Kunstwerk der Farbenlehre!
Jetzt sitze ich hier neben unserem gigantischen, bunten Eier-Berg und habe nur noch ein einziges, riesengroßes Rätsel im Kopf. Ich weiß wirklich beim besten Willen nicht, wie Mama und Papa diese ganzen 45 Eier in den nächsten Tagen alleine aufessen wollen. Mir wird schon ganz mulmig bei dem Gedanken. Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe auch furchtbare Angst vor den Pupsen, die unweigerlich folgen werden, wenn man so viele Eier isst! Mein armer, feiner Igel-Geruchssinn! Als Papa dann vorhin auch noch völlig trocken meinte: "Ach, nächstes Wochenende färben wir einfach nochmal die gleiche Menge", ist mir fast das kleine Igelherz in die Hose gerutscht. Ich hoffe wirklich inständig, dass das nur ein böser Witz war!

Egal wie viele Eier wir nun essen müssen, das Abenteuer hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich wünsche euch allen da draußen ein wunderschönes, sonniges und fröhliches Osterfest mit vielen wunderbar bunten Eiern und natürlich mindestens genauso viel leckerer Schoki!
Eure stachelige kleine Viki.
P.S.: Wenn wir die ganzen Eier als Reiseproviant einpacken, wohin glaubt ihr, wird uns unser nächstes großes Abenteuer führen? Vielleicht ans Meer, um die Eier am Strand zu rollen?