Der Küchentisch-Schlachtplan: Vier Abenteurer in den Startlöchern

Jedes große Abenteuer beginnt mit einem ordentlichen Plan. Und wo schmiedet man die besten Pläne? Natürlich auf dem großen Esszimmertisch! Sobald die große Landkarte ausgebreitet war, gab es für uns Tenreks kein Halten mehr. Mini Christopher, Baby Viki und ich versammelten uns um das Papier-Labyrinth aus roten Wegen, grünen Wäldern und braunen Höhenlinien. Baby Viki hatte sogar ihr kleines blaues Spielzeugschwert mitgebracht – man weiß schließlich nie, ob im schwäbischen Urwald nicht doch der eine oder andere Drache hinter einer Buche lauert!

Unser Ziel für den heutigen Tag sah auf der Karte fantastisch aus: Eine große Runde hoch über dem Filstal, ausgehend von der berühmten Wallfahrtskirche Ave Maria bei Deggingen, hinauf zum Kilianskreuz, weiter zur geheimnisvollen Buschelkapelle, bis zum spektakulären Oberbergfelsen und schließlich wieder hinab zum Ausgangspunkt. Papa schaute sich unser emsiges Gewusel an, lächelte und meinte nur, dass wir bei den vielen Höhenmetern heute ein paar extra Muskeln in unseren kleinen Tenrek-Pfoten brauchen würden. Mit gepacktem Rucksack, der perfekten Tenrek-Proviant-Ausrüstung und reichlich Entdeckerdrang machten wir uns auf den Weg.

Der steile Aufstieg nach Alt-Ave: Papas Kreuz-Schlepperei und das Gedenkkreuz der Motorradwallfahrt

Die Tour startete direkt am Wanderparkplatz unterhalb der beeindruckenden Wallfahrtskirche Ave Maria. Das spätbarocke Gotteshaus strahlte im hellen Vormittagslicht gelb und weiß zwischen den dicht belaubten Bäumen hervor. Doch nach einem kurzen Blick auf die Kirche hielten wir uns noch nicht lange auf, sondern wanderten weiter den Hügel hinauf in Richtung Alt-Ave.

Als wir die historische Stätte von Alt-Ave erreichten – dem ursprünglichen Ort der Klause und Kapelle aus dem 13. Jahrhundert –, blieb Papa kurz stehen und deutete auf das imposante Holzkreuz am Aussichtspunkt über dem Oberen Filstal. Papa erzählte uns die berührende Geschichte dahinter: Das Kreuz war im Jahr 2017 von den Organisatoren der traditionellen Degginger Motorradwallfahrt errichtet worden. Es ist ein ganz besonderes Gedenk- und Dankeskreuz – ein fester Erinnerungsort für alle verunglückten und verstorbenen Bikerinnen und Biker sowie ein Symbol für den Schutz und unfallfreie Fahrten auf allen Straßen.

Papa erinnerte sich noch gut daran, wie er 2017 zusammen mit den anderen Motorradfahrern in enger Abstimmung mit der Wallfahrtsseelsorge dieses schwere Holzkreuz den steilen Hang hochgeschleppt hatte. Das war eine unglaubliche Plackerei! Wir Tenreks blickten ehrfürchtig zu dem Kreuz auf und waren stolz auf Papas tatkräftigen Einsatz für die Biker-Gemeinschaft.

Allerdings wartete auch auf uns eine echte Tenrek-Plackerei: Der Pfad von Alt-Ave weiter nach oben war ein schmaler, naturbelassener Trampelpfad. Für kleine Streifentenreks wie uns ist so ein Weg eigentlich das reine Paradies: Überall gab es moosbewachsene Kalksteine, knorzige Baumwurzeln und wunderbar duftende Erde zu entdecken. Aber es ging steil bergauf – unfassbar steil! Nach einigen Minuten stetigen Kletterns schnaufte mini Christopher ganz schön.

"Ich glaube, wir sind oben... puh!", rief Papa schließlich erleichtert aus. Ich musste mir kurz den Schweiß von der Tenrek-Stirn wischen. Ich hätte wirklich schwören können, dass dieser Weg niemals endet. Das fühlte sich für meine kleinen Beine mindestens so hoch und steil an wie ein Aufstieg im Himalaya!

Rast am Kilianskreuz: Gummibärchen-Treibstoff auf der Panoramabank

Oben angekommen wurden alle Anstrengungen sofort vergessen. Wir standen vor dem imposanten Kilianskreuz Deggingen. Dieses hölzerne Gipfelkreuz ragt hoch in den makellos blauen Himmel empor und steht direkt an der Felskante des Albtraufs. Der Ausblick von hier oben ist schlichtweg atemberaubend: Unter uns lag das gesamte Filstal im warmen Sonnenlicht, und die Dächer von Deggingen sahen aus wie winzige Spielzeughäuser.

Wer unsere bisherigen Abenteuer kennt – wie unseren Ausflug zum Schattenzauber am Albtrauf auf der Nordalb bei Deggingen –, weiß genau, was nach einem harten Aufstieg als Allererstes passieren muss: die Tenrek-Stärkung!

Direkt neben dem Kreuz steht eine wunderschöne Holzbank. Wir kletterten sofort auf das Holz, stellten den Rucksack ab und Papa holte das Wichtigste überhaupt heraus: eine Packung Haribo Goldbären! Gummibärchen sind für kleine Streifentenreks der absolut beste Treibstoff der Welt. Sie füllen Tenrek-Bäuche wunderbar auf und verleihen augenblicklich wieder 100 % Energie. Wir setzten uns nebeneinander auf die Bank – das 360-Grad-Kamera fest im Blick – und genossen die süße Rast in der Sonne.

Landluft und Burggespenster: Auf dem Schleichweg zur Buschelkapelle

Gestärkt und voller neuer Energie ging es nahezu ebenerdig auf der Hochebene weiter in Richtung Buschelkapelle. Allerdings stellten wir schnell fest: Dieser Weg zieht sich ganz schön!

Unterwegs kamen wir an einer großen Kuhweide vorbei. Plötzlich wehte uns ein ganz besonderer Duft entgegen. "Puh!", rief mini Christopher und hielt sich dramatisch die Nase zu. "Ich glaube, hier hat ein Bauer erst neulich frische Gülle ausgefahren!" Der Geruch war wirklich überwältigend stramm. Papa schmunzelte nur, atmete tief durch und meinte: "Das ist doch gute, ehrliche Landluft!" Aber auch er konnte nicht ganz verbergen, dass er kurz die Nase verzog, während wir im Eiltempo an der Weide vorbeimarschierten.

Schließlich erreichten wir die historische Buschelkapelle. Der Ort hat eine ganz faszinierende Geschichte: "Buschel" ist nämlich eine volkstümliche Abwandlung des Wortes "Burgstall". Genau an dieser Stelle stand um das Jahr 1250 die alte Burg Berneck, von der heute nur noch die beeindruckenden Gräben und Wallanlagen im Gelände zu sehen sind. Die kleine Kapelle selbst wurde erst 1847 mitten in den ehemaligen Burginnenhof gebaut.

Direkt bei der Kapelle entdeckten wir einen tiefen, gemauerten Brunnen. Ob dieser wohl noch aus der alten Ritterzeit der Burg stammte? Mini Christopher war das tief ins Dunkle führende Loch überhaupt nicht geheuer. Er klammerte sich ganz fest an Papas Hosenbein fest, aus lauter Angst, in den Brunnen hinunterzufallen.

Nachdem wir mini Christopher getröstet und uns bei einer weiteren kleinen Rast mit knackigen Äpfeln gestärkt hatten, schauten wir uns die Buschelkapelle von innen an. Sie war wirklich winzig! Wir überlegten kurz, wie viele Streifentenreks wohl in den kleinen Innenraum passen würden – vermutlich nicht allzu viele.

Baum-Giganten und Moos-Veteranen: Gedanken im Urwald

Nach der Buschelkapelle führte uns der Weg weiter durch einen dichten, schattigen Wald in Richtung Oberbergfelsen. Die Stimmung hier war beinahe magisch: Die Sonnenstrahlen brachen in goldenen Bahnen durch das grüne Blätterdach der alten Buchen.

Während wir so über den weichen Waldboden trotteten, ging mir ein ganz bestimmter Gedanke durch den Kopf: Wie alt mögen diese gewaltigen Bäume wohl sein? Sie sahen wirklich uralt aus! Klar, die grauen Kalkfelsen am Wegesrand sind mit Sicherheit noch viel älter und tragen dicke, grüne Moosteppiche. Aber auch die Stämme der riesigen Buchen hatten schon moosige Bärte angesetzt. Wie viele Jahrhunderte diese hölzernen Giganten wohl schon hier oben am Albtrauf stehen und auf das Filstal hinabblicken? Es ist immer wieder faszinierend, wie friedlich und erhaben die Natur sein kann.

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Höher als die Hiltenburg! Der spektakuläre Ausblick vom Oberbergfelsen

Schließlich erreichten wir den Oberbergfelsen, den absoluten Höhepunkt unserer heutigen Wanderung. Auf rund 750 Metern Höhe traten wir vor an die Felskante – und der Ausblick verschlug uns schlichtweg den Atem!

Von hier oben hat man eine spektakuläre Aussicht auf Bad Ditzenbach, die umliegenden Täler und sogar auf die gigantische Eisenbahn- und Autobahnbrücke zwischen Mühlhausen und Wiesensteig, die sich kühn über das Tal spannt. Und dann entdeckten wir sie: Die Burgruine Hiltenburg!

Wir Tenreks schauten uns erstaunt an. Schließlich hatten wir erst vor Kurzem ein riesiges Abenteuer auf dem Schlossberg erlebt (nachzulesen in unserem Bericht Stachelige Gipfelstürmer-Glückseligkeit – Mein Heldentrip zur Hiltenburg). Als wir damals auf dem Bergfried der Hiltenburg standen, dachten wir, wir wären auf dem höchsten Punkt der Welt. Doch vom Oberbergfelsen aus gesehen lag die Hiltenburg auf ihrem Schlossberg (der auf etwa 716 Metern liegt) deutlich tiefer als wir! Es war ein fantastisches Gefühl, aus dieser echten Vogelperspektive auf unsere alte Ritterburg hinabzublicken.

Felskolosse, trostlose Pfade und das Versiegen der Ave-Quelle

Bevor es endgültig an den Rückabstieg ging, führten unsere Tenrek-Pfoten uns noch auf einen schmalen Pfad direkt unterhalb der mächtigen Wand des Oberbergfelsens entlang. Erst wenn man direkt unter dieser riesigen Gesteinsmauer steht und den Kopf in den Nacken legt, begreift man so richtig, wie gigantisch, hoch und massiv dieser Felskoloss tatsächlich ist!

Nach diesem beeindruckenden Fels-Anblick wurde der Weg zurück in Richtung Wallfahrtskirche Ave Maria auf dem ersten Stück leider ein wenig trostlos und war nicht besonders angenehm zu laufen. Aber schon bald mündete der Pfad in einen breiten, ebenerdigen Schotterweg, der uns sanft bergab leitete.

Kurz vor dem Parkplatz kamen wir an der bekannten Quelle von Ave Maria vorbei. Leider spürte man hier die große Trockenheit der letzten Sommerwochen sehr deutlich. Statt eines munter sprudelnden Baches floss aus der Quelle nur ein ganz kleiner, zarter Rinnsal. Die Natur sehnte sich offensichtlich nach einem ausgiebigen Regenschauer.

Zuhause angekommen waren wir vier Abenteurer ordentlich müde. Wir drei Tenreks – mini Christopher, Baby Viki und ich – kuschelten uns erst einmal tief in unser gemütliches Bett. Baby Viki ließ in Gedanken noch einmal jede einzelne Station Revue passieren. Mini Christopher relativierte stolz seine anfängliche Angst am tiefen Brunnen ("Ich habe nur gut auf Papa aufgepasst!"), und ich genoss es einfach, die müden Tenrek-Pfoten hochzulegen.

Welches Abenteuer wir wohl als Nächstes erleben werden? Klöster besichtigen, uneinnehmbare Burgen erstürmen oder geheimnisvolle Höhlen bewundern (so wie damals bei unserer Tour zu den Höhlen um Wiesensteig)? Ach, es gibt noch so unendlich viel zu entdecken! Aber zum Glück habe ich die allerbeste Truppe der Welt an meiner Seite, die mir bei der Entscheidung hilft.