Ein ganz normaler Tag im Gummibärchen-Paradies

Es war einer dieser herrlich unbeschwerten Nachmittage, an denen die Welt einfach perfekt geordnet ist. Ich saß gemütlich auf dem weichen, großen Sofakissen im Wohnzimmer, hielt ein besonders pralles, rotes Gummibärchen in meinen Pfoten und genoss das süße Leben. Für uns Tenreks gibt es schließlich kaum etwas Wichtigeres, als die Gedanken schweifen zu lassen, kühne Pläne für zukünftige Expeditionen zu schmieden und im Kopf schon einmal die Einkaufslisten für die nächste Proviant-Lieferung zu schreiben. Rote Gummibärchen schmecken einfach am besten, das ist wissenschaftlich von mir bewiesen worden. Während ich also völlig unschuldig vor mich hin knabberte und das süße Aroma genoss, ahnte ich noch nicht, dass unsere gemütliche Ruhepause gleich durch ein höchst mysteriöses Ereignis unterbrochen werden sollte.

Der Einmarsch der Koffer-Monster

Plötzlich öffnete sich die Tür und meine Großen, also Mama und Papa, betraten das Zimmer. Aber sie kamen nicht mit leeren Händen. Sie schleppten riesige, eckige, unhandliche Gegenstände herbei, die mit einem lauten Poltern mitten auf dem Teppich abgestellt wurden. Ich stellte sofort meine feinen Tenrek-Ohren auf und beobachtete das Spektakel mit Argusaugen. Diese gigantischen Dinger sahen extrem geräumig aus. Mein erster Gedanke war natürlich absolut logisch: Da passen bestimmt unheimlich viele Vorräte hinein. Vielleicht kistenweise Gummibärchen? Oder ganze Berge von Keksen? Die Aufregung im Wohnzimmer stieg sekundenweise.

Die Detektive formieren sich: Betrug beim Schnick-Schnack-Schnuck

Wir, das unschlagbare Tenrek-Spezialteam – bestehend aus meinem Bruder mini Christopher, unserer süßen Baby Viki und natürlich mir, der genialen Anführerin klein Viki –, erkannten sofort, dass hier eine verdeckte Ermittlung vonnöten war. Doch wer sollte den gefährlichen Weg ins Zentrum des Geschehens wagen und die Lage auskundschaften? Wir beschlossen, diese wichtige Entscheidung auf die einzig faire und demokratische Art zu fällen, die uns zur Verfügung stand: Eine Runde Stein, Schere, Papier.

Da wir Kuscheltier-Tenreks ja eigentlich nur kleine, weiche Pfötchen und kuschelige Stacheln haben, ist das mit den Symbolen gar nicht so einfach. Aber Baby Viki und ich hatten uns vorab heimlich mit einem vielsagenden Blick abgesprochen. Wenn wir unsere Pfötchen ganz eng an den Bauch drücken, gilt das als Stein. Wenn wir uns langstrecken, ist es Papier. Und mein treuer Bruder mini Christopher? Der Gute dachte, er könnte uns mit einer ausgefeilten Stachel-Schere besiegen. Pustekuchen. Baby Viki und ich wählten natürlich beide synchron den Stein. Wir haben gnadenlos geschummelt, kicher, kicher. Mini Christopher hatte das Spiel also haushoch verloren und musste unter unserem leisen Gekicher als Spion vorgeschickt werden, um das ganze Szenario aus nächster Nähe zu überblicken.

Die Koffer-Okkupation und der tragische Verlust von Proviant-Fläche

Mama und Papa schleppten ununterbrochen bergeweise Kleidung ins Wohnzimmer und stapelten sie fein säuberlich auf dem Sofa, bevor sie alles in diesen riesigen Gegenständen verstauten. Nach einer Weile intensiven Nachdenkens fiel mir auch endlich wieder ein, wie diese Dinger bei den Menschen heißen: Koffer. Na klar. Koffer bedeuten nur eines: Juhuuu, es geht also wieder auf große Reise.

Für uns Tenrek-Kuschelfreunde war die Sache damit eigentlich geritzt. Wir haben ja ohnehin immer alles dabei, was wir für ein echtes Abenteuer brauchen. Eine oder zwei Packungen frische Gummibärchen in unserer praktischen Rückentasche reichen völlig aus, um die Welt zu erobern. Da wir die wichtigsten Familienmitglieder sind und Mama und Papa im Urlaub keinesfalls ohne uns auskommen können, beschlossen wir, unsere Plätze im Koffer sofort zu beanspruchen.

Mini Christopher musste als lebendes Podest für Baby Viki und mich herhalten. Wir kletterten geschickt auf seinen weichen Rücken und machten es uns mitten im Koffer bequem, direkt auf Mamas frisch zusammengelegten T-Shirts. Doch die Menschen schienen unsere Anwesenheit im Gepäck irgendwie misszuverstehen. Entweder durften wir offiziell noch nicht mitspielen, oder irgendetwas an unserer Sitzordnung störte sie. Wir wurden ständig wieder aus dem Koffer herausgeholt und auf die Sofalehne gesetzt. Aber wir gaben nicht auf. Sobald sich Mama umdrehte, saßen wir wieder drin. Das ging ein paar Mal so hin und her. Das Problem war nur: Je mehr Kleidung der Großen im Koffer landete, desto kleiner wurde der Platz für uns und unseren lebensnotwendigen Gummibärchen-Proviant. Das war wirklich besorgniserregend.

Das Rätsel der fehlenden Wanderschuhe

Als wir schließlich kurzzeitig kapitulieren mussten und uns die Sache aus der Ferne anschauten, fiel mir etwas Seltsames auf. Ich begann, die bereits gepackten Sachen genauer zu inspizieren und durchzuwühlen. Normalerweise sieht unsere Reisevorbereitung ganz anders aus. Wo waren die dicken Wandersocken? Wo war die wetterfeste Outdoor-Ausrüstung, die wir sonst immer auf unseren Bergtouren dabeihaben? Dieses Mal gab es nichts dergleichen. Stattdessen entdeckte ich nur leichte T-Shirts, dünne Sommerhosen und die blauen Flipflops von Papa, die für mich wie kleine Plastikboote aussahmen. Dazu gesellten sich eine schicke Sonnenbrille und ein ziemlich hübscher, großer Sonnenhut von Mama.

Irgendwas war hier faul. Das war keine normale Reise in die Wildnis. Dem mussten wir drei Detektive schleunigst auf den Grund gehen. Wir brauchten handfeste Beweise und Informationen über unser geheimes Reiseziel.

Geheimagentin Baby Viki im dunklen Rucksack-Dschungel

Da Baby Viki die kleinste und wendigste von uns dreien ist, wurde sie für die nächste Phase unserer Mission ausgewählt. Wir steckten sie kurzerhand in das vordere Fach des großen Rucksacks, der neben dem Sofa stand. Sie sollte dort nach geheimen Dokumenten, Tickets oder Flyern suchen. Wir hielten die Luft an und lauschten. Nach einigen Minuten des Raschelns und Schnaubens tauchte ihr kleiner Kopf wieder auf. Leider war die Ausbeute mager. Außer ein paar zusammengeknüllten Regenponchos für den Notfall und einigen Taschentüchern hatte sie in den dunklen Tiefen des Rucksacks absolut nichts Brauchbares gefunden. Keine Tickets, keine Buchungsbestätigungen. Nichts.

Spurensuche im Wohnzimmerschrank

Wir gaben nicht auf. Wenn die Informationen nicht im Gepäck waren, mussten sie in der Wohnung versteckt sein. Ich erinnerte mich an die grünen Scheine, die Mama manchmal für unsere Reisen aus dem Wohnzimmerschrank holt – die Dollars. Wenn es in die USA oder in die Karibik gehen würde, wären diese Scheine mit Sicherheit schon auf dem Tisch bereitgelegt worden. Doch ein heimlicher Blick durch die Glasscheibe des Schranks verriet uns: Die Dollars lagen unberührt an ihrem gewohnten Platz. Die Karibik und Amerika schieden als Reiseziele also schon mal aus.

Auch nach intensiver Suche unter dem Couchtisch, hinter dem Fernseher und auf der Küchentheke konnten wir keine ausgedruckten Flugtickets finden. Wir waren echt am Verzweifeln. Würde diese Reise etwa eine komplette Überraschung bis zu unserer Ankunft bleiben? Das durfte nicht sein, schließlich mussten wir uns doch mental auf das Abenteuer vorbereiten.

Der Erschöpfung sei Dank: Der große Fund von mini Christopher

Völlig erschöpft von der anstrengenden Detektivarbeit und dem ständigen Koffer-Rein-und-Raus schleppte sich mini Christopher zum unteren Regalfach des Couchtischs, um sich dort ein wenig auszuruhen. Als er sich mit einem tiefen Seufzer rückwärts hineinsetzte, stieß er mit seinem Po gegen einen Stapel Papiere. Es machte ein verdächtiges Geräusch.

Ich spitzte sofort die Ohren und rief: Halt, keinen Zentimeter bewegen, mini Christopher. Du sitzt auf einem Beweismittel.

Wir eilten herbei und halfen ihm auf. Und tatsächlich. Unter ihm lag zuerst ein buntes Buch und direkt darunter fanden wir noch eines. Ich blickte auf den Einband und entzifferte die großen, eleganten Buchstaben, die dort gedruckt standen: ISTANBUL.

Was ist eigentlich dieses Istanbul?

Wir setzten uns im Kreis um die Bücher herum und ließen die Köpfe zusammenstecken. Istanbul. Ich überlegte ganz scharf. Wo oder was war dieses Istanbul? Der Name klang unheimlich geheimnisvoll und exotisch. Und dann fiel es mir plötzlich wie Gummibärchen von den Augen. Natürlich. Istanbul. Das ist diese gigantische, wunderschöne Stadt, die auf zwei Kontinenten gleichzeitig liegt. Europa und Asien reichen sich dort sozusagen die Pfote.

Und das Beste daran: Wir fahren an den Bosporus. Das ist diese riesige, glitzernde Meerenge, die die Stadt teilt und auf der unzählige Schiffe hin und her fahren. Ich stellte mir sofort vor, wie wir drei Tenreks auf dem Deck einer großen Fähre stehen, uns die frische Meeresbrise um die Stacheln wehen lassen und Ausschau nach Delfinen halten.

Bereit für den Bosporus!

In diesem Istanbul gibt es mit Sicherheit unendlich viele interessante Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Alte Paläste, riesige Märkte, die man Basare nennt und auf denen es bestimmt ganz exotische, süße Leckereien gibt, und jede Menge geheimnisvolle Ecken zum Erforschen. Von diesem Moment an war unsere Sorge wie weggeblasen. Unsere anfängliche Verzweiflung verwandelte sich in riesige, zappelige Vorfreude. Wir drei super neugierigen Tenrek-Kuschelfreunde können es kaum erwarten, bis es endlich losgeht. Die nächsten Tage werden so aufregend. Wir müssen nur noch unbemerkt unsere Gummibärchen-Vorräte im Koffer deponieren, damit die Reise auch kulinarisch ein voller Erfolg wird.

Habt ihr eigentlich auch schon mal eine Detektivarbeit im Wohnzimmer gestartet, um herauszufinden, wohin euer nächstes großes Abenteuer geht?